Michelle Obama – die Catherine Deneuve als First Lady

Ich will ja nicht gleich am Anfang vom Thema abschweifen. Aber kürzlich bat ich einen nur wenig jüngeren Kollegen, er möge einen Werbespruch vervollständigen, der viele Jahre, wenn nicht jahrzehntelang im Deutschen Fernsehen lief. Der Slogan ging also so: „Feuer – Pfeife – ….“ Jetzt Du!
Der Kollege hat es leider vermasselt. „Stanwell“ hätte es heißen müssen. „Mehr braucht der Mann nicht“ lautete das ganze Motto, nur „Feuer, Pfeife, Stanwell“.*
Solche einfachen, klaren, überschaubaren Verhältnisse ließen die Welt insgesamt einfacher, klarer und überschaubarer erscheinen.

Die Welt damals war nicht nur aus (Pfeifen-) Raucherperspektive einfacher. Warf man einen Blick nach Frankreich, dann sah man auf einen Blick, was der weiblichen Welt Struktur verlieh. Denn: Da gab es die Bardot. Gut, sie war mehrs fürs Grobe. Immerhin war sie der Leitstern des Erotisch-Weiblichen (Lassen wir einmal die Loren außen vor).

Aber dann! Wie lautete ein anderer Dauer-Werbespruch jener Tage? Ergänzen Sie sinngemäß – aber unter erschwerten Bedingungen, weil ich die Satzreihenfolge umdrehe -:

„Frankreich hat und ein, zwei Dinge voraus. Cognac Courvoisier und … “ Na?

Catherine Deneuve. Bitte.

Die Deneuve war der helle Stern am Firmament des Weiblichen. Die Älteren unter Ihnen werden jetzt beginnen zu schmachten, aber im Stillen, seien Sie so nett. Die Jüngeren, nun ja, sie tun mir ein wenig leid. Ich mag ja auch Amy Winehouse (was für eine Stimme! Erinnert mich tatsächlich an die göttliche Nina Simone). Aber in Sachen Klasse à la Deneuve, da muss man heute schon weite Wege gehen.michelle_obama.jpg

Womit wir bei Michelle Obama wären.

Ist sie nicht stets perfekt gekleidet, ohne je aufgesetzt zu wirken? Vanity Fair zählt sie zu den Bestgekleideten Frauen.

Steht sie nicht auf der Bühne, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht?

Hat sie beim Reden nicht die Aura einer Aristokratin im Geiste? Sie war auf Harvard und Princeton. Sie hat es nicht nötig, von oben herab zu tun, und macht es auch nicht. Sie weiß sehr genau, wo sie steht, und muss es niemandem mehr beweisen. USA Today meinte, es sei „clear that nobody tells her what to say“.

Ist es nicht ur-amerikanisch, wie sie ihren Barack über den Klee lobt, wo andere dabei erröten würden, es bei ihr aber als ganz normal ansehen? Warum das funktioniert? Weil sie nicht die Nur-Ehefrau am Rande ist, sondern Lob aus eigener Größe heraus verteilen kann. Das hat eine völlig andere Bedeutung und zeitigt eine völlig andere Wirkung.

Dieses Natürliche, Selbstverständliche am Auftritt Michelle Obamas scheint die (politische) Beziehung der Obamas irgendwie einfach zu machen. Wie früher. Nicht wie bei den Clintons.

Felix Obama!

— Schlesinger

* Für die Jüngeren: Stanwell war ein Allerwelts-Pfeifentabak, der durch diesen
Satz den Geruch der großen weiten Welt annehmen sollte.

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(Photobearbeitung: algore2008.de)