Was ist Antisemitismus, wer ist ein Antisemit?

Antisemit Martin Luther

Definition Antisemitismus

Antisemitismus ist die Sammelbezeichnung für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die den als Juden geltenden Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund dieser Zugehörigkeit negative Eigenschaften unterstellen, um damit eine Abwertung, Benachteiligung, Verfolgung oder Vernichtung ideologisch zu rechtfertigen.

Vereinfachter könnte man auch sagen: Antisemitismus ist Feindschaft gegen Juden als Juden.

Formen von Antisemitismus

Religiöser Antisemitismus

Er besteht in der pauschalisierenden Ablehnung und Diffamierung der jüdischen Religion mit den damit verbundenen Glaubenssätzen, Zeremonien, Rituale. Träger dieser Diffamierung war vor allem die christliche Kirche (Juden als Mörder Jesus). Diese Form von A. ging in früheren Zeiten oft einher mit Unterstellungen wie Mord an christlichen Kindern o.ä.

Sozialer und politischer Antisemitismus

Beide Formen sind eng miteinander verwandt.
Der soziale Antisemitismus kommt dadurch zum Ausdruck, dass der vermutete oder tatsächliche soziale Status von Juden in der Gesellschaft als Motiv wirkt, um ihnen ablehnend gegenüber zu stehen.

Der politische Antisemitismus sieht die Juden als mehr oder weniger einheitliche Gruppe, die sich zu gemeinsamem Handeln zusammenschliesen um ihre gesellschaftliche und politische Macht auszudehnen. Das Ziel ist dieser Anschauung zufolge die Erlangung der Herrschaft im jeweiligen Land oder in der ganzen Welt. Oft werden verschwörerische Aktivitäten vermutet. Demzufolge stehen jüdische Kräfte hinter politischen Umbrüchen wie Kriege, Revolutionen oder Wirtschaftskrisen.

Rassischer Antisemitismus

Die aus dem Biologismus des 19. Jahrhunderts entsprungene Form sieht die mutmaßlich negativen Eigenschaften von Juden in ihrer Natur begründet. Insofern ist der rassische A. die wohl schärfste Form: Sind negative Eigenschaften in der Natur des Trägers verankert, kann dies nicht verändert werden.

Sekundärer Antisemitismus

Diese Variante existiert nur in Deutschland. Ihr zufolge dient die fortgesetzte öffentliche Beschäftigung mit dem Holocaust nur dazu, Wiedergutmachungszahlungen oder sonstige Leistungen an Israel zu erzielen, Deutschland kleinlaut zu halten oder Israel einen Freibrief für ihre Politik im Nahen Osten auszustellen. Die Erinnerung an den Holocaust wird als „Moral-Keule“ empfunden.

Antizionistischer Antisemitismus

Es ist die historisch jüngste Ausprägung. Die Vorbehalte richten sich gegen die Gründung des Staates Israel (1948) und den Fortbestand des Landes. Dabei geht es nicht um Kritik an Israels Politik, sondern um die Verdammung eines jüdischen Staates selbst. Dessen Aktionen werden dämonisiert.

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, meint dazu:

Sachliche Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist kein Antisemitismus.

Nur: Was ist sachliche Kritik? Ob Kritik sachlich ist, sieht der Kritisierte naturgemäß anders als der Kritiker.

Gerade bei Kritik an der Tagespolitik ist besonders schwer zu erkennen, was genau dahinter steckt. Hier können sich Argumente mit Ressentiments vermischen, wohlmeinendes Unwissen und böswillige Auslegung zu einer Gemengelage werden, in der irgendwo der Antisemitismus anfängt.

Kramer sagt:

Der offene Antisemitismus ist mir fast der liebste. Gegen den kann man sich wenigstens wehren.

Damit hat er wohl Recht.

— Schlesinger

Quellen und Zitat:
Die oben genannten Definition sind eng angelehnt an Ausführungen in: Bundeszentrale für politische Bildung (Schrift Antisemitismus in Europa)

Photo: Buchtitel des Antisemiten Martin Luther (Wikimedia  Public Domain

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