Susanne Knaul unter Beschuss

Susanne Knaul
Susanne Knaul im Kern getroffen

Susanne Knaul ist Nahost-Korrespondentin. Sie schreibt meist für die linke taz.

Über die israelische Sicherheitspolitik schreibt sie kritisch. Damit macht sie sich zwangsläufig unbeliebt bei Leuten, die die seit Jahrzehnten anhaltende israelische Zerstörung der palästinensischen Gesellschaft für Verteidigungspolitik halten.

Raketen auf Israel

Nun hat sich Susanne Knaul in die Nesseln gesetzt, weil sie etwas wirklich Blödes geschrieben hat:

Mit den Raketen auf die grenznahen israelischen Ortschaften kann man sich arrangieren. Öffentliche Gebäude sind sicher konstruiert, die Bevölkerung ist geschützt, erhält Steuervergünstigungen und ist die seit Jahren regelmäßig aufheulende Sirenen gewohnt.

Niemand kann sich mit Raketen „arrangieren“. Das muß man auch gar nicht weiter begründen. Frau Knaul hat einen Fehler gemacht. Das war’s auch schon.

Susanne Knaul ein Fall für den Presserat?

Für die israelische Botschaft ist der Fehler von Frau Knaul etwas Gutes. Auf Twitter schreit die Botschaft Mordio und Zetero. Natürlich geht das nicht, ohne gleich den Deutschen Presserat per Hashtag mit einzubeziehen.

Die taz und Frau Knaul mögen ein kleines Rad in der deutschen Medienlandschaft sein, aber sie sind es aus Sicht israelischer Offizieller allemal wert bekämpft zu werden. Der Beitrag könnte, nein: Er dürfte ja antisemitisch motiviert sein.

Man hat bei der Botschaft auch Zeit gefunden rasch ein Video zu drehen, um die Klage gegen Susanne Knaul zeitgemäß aufzubereiten. Heutzutage heißt das im Zweifel: Mit einem Video. Das ist kein Problem, weil die israelische Regierung eine hübsche Summe Geld und viel Personal für „Hasbara“ zur Verfügung stellt. Hasbara heißt nichts anderes als „Propaganda“.

6000 angeschossene Palästinenser interessieren nicht

Frau Knaul hätte den anstößigen Satz lassen sollen. Sie hätte sagen können:

Israel stellt sich als Opfer der Hamas dar.

Richtig ist, dass Hamas und der Islamische Jihad Raketen aus dem belagerten Gaza nach Israel feuern.

Richtig ist, dass diese Raketen inzwischen weiter fliegen als zuvor.

Dass sie mehr Schaden anrichten als zuvor.

Dass die Raketen Israelis getötet und verletzt haben. Sind es schon ein Dutzend in den letzten zwölf Monaten ? Bei 1200 abgefeuerten Raketen?

Zum Kontrast:

Während den palästinensischen Demonstrationen am israelischen Grenzzaun von Gaza während den letzten Monaten hat die israelische Armee 180 Menschen erschossen und über 6.000 angeschossen. Mehrheitlich Zivilisten einschließlich Sanitäter.

Die israelische Luftwaffe hat daneben zahlreiche Angriffe gegen Ziele in Gaza geflogen.

Niemand registriert, wie dabei ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gebombt werden, wenn Israel eine „chirurgische Operation“ gegen die Terroristen durchführt und dazu ihre 1000-Kilo-Bomben ins Ziel lenkt.

Vielleicht hatte Susanne Knaul einen verbitterten, zynischen Moment, als sie vor diesem Hintergrund schrieb, man könne sich auf israelischer Seite mit den Raketen arrangieren.

Eins in die Fresse

Im Grunde ist es beim israelisch-palästinesischen Kräfteverhältnis doch so:

Ein muskelbepackter Halbstarker triezt einen kleinen Jungen so lange, bis der heulend und wütend um sich schlägt und den Großen an der Backe kratzt.

Der Halbstarke grinst breit, sagt „Jetzt pass auf Bürschchen“, hält den Jungen mit der Linken am Hemd-Kragen genüßlich auf Abstand, und schlägt ihm mit der geübten rechten Faust ins Gesicht, dass es kracht und blutet.

Dann wendet er sich zum gaffenden Publikum und sagt „Habt ihr gesehen wie frech der war?“

— Schlesinger

Phoro: Photomontage screenshot taz