US Militärschlag gegen den Iran? [Update]

UPDATE 14.03.:

MOSKAU, 14. April (RIA Novosti). Wenn sich die Wirtschaftssanktionen im Atomstreit mit Iran als unwirksam erweisen, kann sich die Weltgemeinschaft laut Experten vom „Luxemburger Forum für die Abwendung einer Atomkatastrophe“ für einen Militäreinsatz gegen den Mullah-Staat entscheiden.

„Wird der Wirtschaftsdruck unwirksam, werden militärische Sanktionen verhängt“, sagte der Präsident des Forums, Wjatscheslaw Kantor, am Montag am Rande einer Forumssitzung in Moskau.

UPDATE 12.04.:

Ungeachtet der internationalen Sanktionen hatte Iran am vergangenen Dienstag eine massive Ausweitung seines umstrittenen Programms zur Urananreicherung angekündigt. Präsident Mahmud Ahmadinejad gab bekannt, dass sein Land mit der Installation der 6000 Zentrifugen in Natans begonnen habe.

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Ausgangstext:

MOSCOW (RIA Novosti) – Der russische Militär-Geheimdienst berichtet von hektischen Aktivitäten der U.S.-amerikanischen Streitkräfte nahe der Iranischen Grenze – so verlautet von einer hochrangigen Quelle.

„Die jüngsten [russischen] militärischen Geheimdienst-Daten deuten auf starke U.S.-amerikanische Vorbereitungen sowohl für eine Boden- als auch für Luftoperationen gegen den Iran hin“, sagte der Offizielle, der hinzufügte, dass das Pentagon möglicherweise noch nicht die endgültige Entscheidung über den genauen Zeitpunkt getroffen habe, zu dem der Angriff gestartet werden soll.

Er teilte mit, dass das Pentagon immer noch nach einem Weg suchen würde, den Schlag gegen den Iran auf eine Weise durchzuführen, die es den USA erlauben würden, „…das Land zu den geringst möglichen Kosten auf die Knie zu zwingen.“

Er teilte ebenfalls mit, dass dass die Marine-Präsenz der USA im Persischen Golf zum ersten mal seit vier Jahren wieder das Niveau erreicht habe, das schon kurz vor dem Invasion des Irak im März 2003 zu verzeichnen gewesen sei.

Generalmajor Leonid Iwaschow, Vize-Präsident der Russischen Akademie für Geopolitische Wissenschaften, sagte vergangene Woche, das Pentagon plane offensichtlich, bald einen massiven Luftschlag gegen die iranische militärische Infrastruktur zu führen.

Eine weitere amerikanische Flugzeugträger-Kampfgruppe wurde in den Persischen Golf entsandt.

Die USS John C. Stennis, mit einer Crew von 3,200 Mann und etwa 80 Flugzeugen an Bord, darunter F/A-18 Hornet und Superhornet Jagdbomber, steht zusammen mit acht Begleitschiffen und vier (!) nuklear betriebenen U-Uooten im Persischen Golf bereit.

(Anmerkung des Übersetzers: Eine U.S.-Flugzeugträger-Kampfgruppe wird normalerweise nur von EINEM nuklear betriebenen U-Boot begleitet, das Unterwasser-Angriffe auf den Flugzeugträger abwehren soll. Es kann sich bei den drei zusätzlichen U-Booten nun entweder um weitere solche, sogenannte „Jagd-U-Boote“ (HUNTER) handeln – oder aber um mit Cruise-Missiles ausgerüstete Lenkwaffen-Träger der OHIO-Klasse: Gigantische Atomraketenträger aus der Zeit des Kalten Krieges (BOOMER), die nach dessen Ende umgebaut wurden, um jeweils über 100 konventionelle „Tomahawk“-Cruise-Missiles (Marschflugkörper) zu tragen. Jeder Flugkörper ist 454 Kilogramm-Sprengköpfen ausgerüstet, um Ziele in bis zu 2000 Kilometer Entfernung zu zerstören.)

Im Persischen Golf wartet bereits eine weitere Flugzeugträger-Kampfgruppe, die von dem Träger USS Dwight D. Eisenhower geführt wird und dort seit dem Dezember 2006 im Einsatz ist.

Die USA senden darüberhinaus Anti-Raketen-Raketen des Typs „Patriot“ in den Persischen Golf.

DIE WELT ergänzt:

Aber die tatsächliche Mission der USS Stennis ist eine andere – auch wenn das an Bord niemand sagt.

Die eigentliche Aufgabe heißt Iran. Flugzeugträger sind politische Waffensysteme, Mittel der globalen Machtdemonstration, die frei von geografischen Beschränkungen in internationalen Gewässern operieren. Rund um den Persischen Golf haben die USA und einige Verbündete eine Armada von Flugzeugträgerverbänden zusammengezogen. Eine massive Drohkulisse gegen den Iran. […] inzwischen ist auch der französische Träger „Charles de Gaulle“ mit 1800 Mann vor Pakistan eingetroffen.

Diese Entwicklung ist nun zu sehen vor dem Hintergrund des gegenwärtig sehr gespannten Verhältnisses USA – Rußland.

Hierzu titelt die einflußreiche russische Komersant vorgestern:

U.S to Face Choice: Partnership or Confrontation

The U.S.-Russia relations have reached a turning point. The eight-year-long period (started in 2001) is coming to its end, while presidents Bush and Putin proclaimed strategic partnership. Despite good personal relations between the two leaders, the partnership fell through. Partnership requires permanent cooperation mechanisms, international law and economic basis. All that is nowadays absent from the U.S.-Russia relations.

Wertung:

a) Vorweg: RIA nowosti ist nicht die russische BILD, sondern eines der halboffiziellen Sprachrohre der Regierung
b) Entweder die russische Einschätzung der Lage trifft (weitgehend) zu. Dann läge in jedem Fall eine ernste Entwicklung der Lage vor.
c) Oder die Einschätzung der amerikanischen Intentionen trifft nicht zu, wird aber von Moskau platziert, um eigene Maßnahmen anzukündigen. Der russische Bär schaut nie zu, wenn sich andere an seinem Honig vergreifen. In jüngster Zeit hat sich Moskau zu einem erstrangigen Handelspartner des Iran entwickelt. Sie erinnern sich, welche dritte Macht durch den Irakkrieg finanziell mit am schwersten getroffen wurde? Rußland, als einer der damals größten Gläubiger des Irak.

Die amerikanische Baltimore Chronicle berichtet von hektischen Reaktionen der Saudis nach dem Besuch von Vize Dick Cheney. Offenbar bereitet man sich dort auf den Ernstfall vor:

Yesterday, we noted the story that the Saudi government is now preparing plans to deal with „any sudden nuclear and radioactive hazards“ that may arise from an attack on Iran’s nuclear reactors.

This was reported by a top Saudi newspaper, Okaz, and relayed by a leading German news service, dpa — one day after Dick Cheney paid a visit to the kingdom.

As we noted, no one knows exactly what was said at that confab of allied authoritarians — but something sure lit a fire under the Saudis, and convinced them that urgent action is needed to brace for the lethal overspill from a strike on Iran.

— Bigdaddy