NATO: Vernebelung in Bukarest

Eins vorweg, bevor ich mit dem Schimpfen anfange: Ich unterstütze die NATO und bin für eine leistungsstarke Bundeswehr. Womit wir beim Problem wären. Ich schreibe bestimmt nicht für die in der Wolle gefärbten Pazifisten; die mögen bleiben, wo der himmlische Frieden kraft Einbildung wächst.

Bukarest also. Was kam heraus?

  1. NATO-Osterweiterung: Jein mit Schwerpunkt Nein
  2. Raktenabwehrschild gegen Iran: Ja, bei 100% der Stimmen
  3. Verbesserung der Sicherheitslage in Afghanistan (Details geheim)

Gucken wir mal in die Schlagzeilen der besseren Medien.

„Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe die Bundeskanzlerin dem amerikanischen Präsidenten ein Abschiedsgeschenk verweigert. Das Gipfeltreffen der Nato in Bukarest war auf Wunsch Washingtons vor allem der Erweiterung der Allianz gewidmet. …

Eine geräuschlose Einigung wurde wohl auch deshalb möglich, weil zwischen Bush und Frau Merkel das Vertrauen ungetrübt ist.“

Angela Merkel sollte George W. Bush ein Geschenk verweigern? Ich habe etwas Mühe, meinen Spott im Zaum zu halten, aber seit wann steht es Schollengebundenen frei, ihrem Fürst einen Dienst zu verweigern?

Ein Blick zurück ins Jahr 2002, wenige Monate vor Beginn des Irakkriegs: Angela Merkel ließ ihrer Häme freien Lauf, damals, vor den Bundestagswahlen, und unterstellte Gerhard Schröder bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dessen kategorische Verweigerung einer Teilnahme am Irakkrieg entspringe nur wahltaktischen Gründen. Er zerrütte die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Dem stotterte pflichtete Herr Stoiber heftigst bei.

Erstens war dieser Satz schon damals „falsch“. Zutreffend ist, dass Schröder in diesem Punkt opportunistisch handelte. Es war Wahlkampf, ok? Natürlich wußte Schröder um den Vorteil, den ihm seine Haltung gegen den Irakkrieg in der Bevölkerung einbrachte.

Über diese Haltung Merkels wurde prägnant berichtet:

Wenn die Dauer eines Händedrucks zwischen dem Kanzler und dem amerikanischen Präsidenten das Interesse der Öffentlichkeit errege, sei dies „der Tiefpunkt in den deutsch- amerikanischen Beziehungen“ (SZ v. 23.11.2002)

Das beantwortet aber längst nicht die entscheidende Frage, ob diese Entscheidung richtig war. Sie war richtig, und Schröder hatte hinreichend früh die feine Nase, den Fäulnisgeruch um die Clique Bush (um Peking-Jargon zu verwenden) wahrzunehmen. Dahingehend hatte Angela Merkel bloß total verstopfte Nase.