Bush erlebt sein finanzielles Katrina

Als George W. Bush erfuhr, dass in New Orleans die Dämme unter der Wucht des hereinbrechenden Wirbelsturms Katrina brechen, setzte er sich sofort ins Flugzeug. Nicht aber, um nach New Orleans zu fliegen – sondern nach Kalifornien, um dort eine Rede zu halten.

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Auf Good Morning America erläuterte er drei Tage nach dem Auftakt von Katrina scheinbar überrascht:

I don’t think anybody could have anticipated the breach of the levees

Niemand also habe das Brechen der Dämme vorhersehen können. Weiter, denn die folgenden blöd-unsinnigen Kommentare George W. Bushs könnten nicht einmal die Coen-Brüder besser ersinnen:

„Well, there’s a lot of food on its way. A lot of water on the way. And there’s a lot of boats and choppers headed that way [Boote und Hubschrauber seien unterwegs]. Boats and choppers headed that way. It just takes a while to float ‚em.“ [Es braucht nur seine Zeit, um sie zu Wasser zu lassen.]

„Well, I fully understand people wanting things to have happened yesterday. I mean, I understand the anxiety of people on the ground. I can imagine — I just can’t imagine what it is like to be waving a sign saying ‚come and get me now‘. So there is frustration. But I want people to know there is a lot of help coming. „

Niemand konnte das vorhersehen? Sehen wir einmal: Katrina hatte sich tagelang im Golf von Mexiko aufgebaut, und traf während des 29. August 2005 auf New Orleans.

In den allerersten Stunden jenen Tages gab das Homeland Security Departement eine Warnung an das Weisse Haus, jeder Sturm der Kategorie 4 würde zu ernsthaften Überschwemmungen und / oder Dammbrüchen führen. Bekanntlich trat genau das ein. Bush hatte aufgrund dieser Warnung folgendes veranlasst: Nichts.lustige_welt_der_tiere.jpg

Kennen Sie den herrlichen, etwas älteren südafrikanischen Film „Die lustige Welt der Tiere“? Darin kann man sich über einen Affen vor Lachen ausschütten, weil der in Ohnmacht fällt, nachdem er einen Stein angehoben und darunter eine Schlange entdeckt hat. Der Clou: Der Affe wacht aus seiner Ohmacht auf und hat nichts Besseres zu tun, als wieder unter den Stein zu gucken, mit vorhersehbarem Ergebnis…
Dasselbe bei Bush! Nur wesentlich unlustiger.

Was ließ Bush nach 9/11 über seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice der Presse mitteilen?

„I don’t think anybody could have predicted that these people would take an airplane and slam it into the World Trade Center“.

Psychologisch und aus der Perspektive der Bevölkerung vollkommen zutreffend. So etwas konnte man sich zuvor tatsächlich kaum vorstellen. Nicht jedoch zutreffend ist diese Aussage bezogen auf das Weisse Haus – und ist damit ebenfalls eine glatte Lüge.

Fünf Wochen vor dem 11.September erhielt George W. Bush ein nachrichtendientliches briefing. Bin Laden war zu jener Zeit seitens der USA längst als „Staatsfeind No. 1“ eingestuft. Das Bush vorgelegte Dokument trug den Titel:

„Bin Laden determined to strike in US“

[…]
FBI information since that time indicates patterns of suspicious activity in this country consistent with preparations for hijackings or other types of attacks, including recent surveillance of federal buildings in New York.

The FBI is conducting approximately 70 full-field investigations throughout the U.S. that it considers bin Laden-related. CIA and the FBI are investigating a call to our embassy in the UAE in May saying that a group or bin Laden supporters was in the U.S. planning attacks with explosives.

Und dennoch konnte niemand so etwas vorherahnen.

Nun zur Immobilienkrise.

Wann kamen die ersten Berichte auf, dass sich eine schwere Immobilienkrise am Horizont abzeichnet? Vor Monaten.Vergangene Woche sprach Bush erstmals von einer Krise.

US Notenbankchef Ben Bernanke geht in seinen jüngsten Äußerungen ans Limit dessen, was er als Präsident der Fed sagen darf, ohne sofort eine veritable Panik auszulösen. al08de

Wie dagegen äußerte sich Bush gestern?

„‚I want to thank you, Mr. Secretary [Finanzminister Paulson], for working over the weekend, you’ve shown the country and the world that the United States is on top of the situation.‘

Das muss man zwei- oder dreimal lesen, um den unfreiwilligen Irrwitz wahrnehmen zu können. Weil Paulson übers Wochenende gearbeitet hat, ist der Welt bewiesen, dass die USA obenauf sind. Ja.

Einen ganz ähnlichen Kommentar äußerte Bush unmittelbar nach Katrina, als seinen völlig unfähigen Kumpel und Chef der Katastrophenbehörde FEMA Michael Brown – natürlich von ihm in dieses Amt geholt – öffentlich mit der kumpanenhaften Bemerkung lobte :

„Brownie , you’re doin a heckuva job!“

Sinngemäß: Brownie, Du machst da einen sauguten Job!

1.836 Menschen starben durch Katrina.

Der Abgeordnete des Repäsentantenhauses Barney Frank, Vorsitzender des Finanzausschusses, wies darauf hin, dass er seit einem Jahr versuchte, Bush für die drohende Krise zu sensibilisieren. Ohne Erfolg. Und Barney weiter:

„He has no idea what’s going on. Even by his standards, he’s wrong“.

Sogar für Bushs eigene Verhältnisse liege der Präsident völlig daneben.

Das dürfte der neue Superlativ-Standard für Inkompetenz sein.

Das alles wäre eine lustige Geschichte – wäre es ein Film.

— Bigdaddy

(Photo 1: © pattie - Fotolia)
(Bild 2: Warner Home Entertainment)