Zionismus ist in. Judaismus ist in. Und Gott mit uns!

Militanter Zionismus
Gott mit uns!

Ein Lied für Gaza

Der Gaza-Krieg hatte eine Hymne. Wußten Sie das?

Die Hymne stammt von dem israelischen Künstler Mosh Ben-Ari. Das Motto des Lieds kommt aus der Bibel, Psalm 121:

Meine Hilfe ist von Gott.
Schöpfer des Himmels und der Erde.
Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wankt.
Dein Wächter wird nicht schlummern.
Denn seht, weder schlummert noch schläft Er,
der Wächter Israels.

So cool kann Chauvinismus sein
Mosh Ben-Ari: Die Hymne zum Krieg

Israels Superstar

Caroline Glick ist in Israel eine ebenso populäre wie reaktionäre Publizistin. Sie ist eine ehemalige Beraterin von Ministerpräsident Netanjahu. Sie ist Mitherausgeberin der konservativen Jerusalem Post. Kürzlich posaunte sie mit viel Stolz, das Lied von Ben-Ari sei die „inoffizielle Nationahymne der Operation Gegossenes Blei*“ gewesen. Das habe den sehr cool aussehenden Dreadlock-Träger Mosh Ben-Ari zum „Superstar“ in Israel gemacht.

Vaterlandsverräter

Glick erinnert den Leser an die ihrer Auffassung nach unseligen 90er-Jahre: Damals habe der Post-Zionismus um sich gegriffen. „Radikale“ wie Yossi Beilin oder Avraham Burg oder Shulamit Aloni hätten die politische Debatte bestimmt. Und diese Debatte sei verräterisch, pro-palästinensisch, verträumt und unrealistisch gewesen. Kurz gesagt: Gegen Israel. So Glick.

Wie man Beilin**, Burg oder Aloni  als Radikale bezeichnen kann bleibt ein Geheimnis von NeoCons wie Frau Glick.

Junge Historiker in Israel sind Schnüffler

Glick folgt dem Motto “Wenn die historischen Tatsachen nicht mit meiner Ideologie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen!”

Eine Mitschuld an der Misere der Neunziger haben Glick zufolge die sogenannten “jungen Historiker”. Die hätten in den Unterlagen des Staatsgründers David Ben-Gurion “herumgeschnüffelt”, um nachzuweisen, dass er “Dreck am Stecken” oder “Leichen im Keller” habe.

David gegen Goliath

Diese Formulierungen lassen jeden erschauern, der an den historischen Tatsachen interessiert ist. Frau Glick duldet Historiker nur so lange, wie sie die schönen Propaganda-Geschichten vom ewigen kleinen David gegen den ewig niederträchtigen arabischen Goliath liefern. Diese Geschichten hat Israel der Welt über Jahrzehnte mit einigem Erfolg präsentiert.

Nur: Außerhalb Israels mag man diese Geschichten vom kleinen David kaum mehr glauben. Dort liest man die Bücher der „jungen Historiker„, von Ilan Pappe, Idith Zerthal, Tom Segev.

Vertreibung als Staatsräson

In diesen Büchern sieht man wie sich die Vertreibung der Araber nach und nach als Staatsräson entwickelte. Seit 1948 bis heute hat sich daran letztlich nichts geändert. Heute muss man zur Kenntnis nehmen wie Menschenrechtsorganisationen in Israel zunehmend unter Druck geraten, wenn sie die Unterdrückung der Palästinenser anprangern. Heute muss man mit Besorgnis und Entsetzen feststellen, dass es in Israel verboten ist, an die Vertreibung der Palästinenser in 1948 und 1967 zu gedenken.

Es steht in der Torah:
Wir müssen sie vertreiben, jetzt und für immer
(ein Siedler in der folgenden Doku)

In Israel dagegen werden die Reihen geschlossen. Dort hat man aus dem Scheitern der Verhandlungen von Camp David im Jahr 2000 den schwer zu rechtfertigenden Schluß gezogen, man habe den Palästinensern „alles geboten„, aber außer Terror nichts bekommen.***

Endlich, so lautet die vorherrschende Stimmung, sei man aus den Tagträumen des Oslo-Prozess erwacht. Oslo habe der Wahn  zugrunde gelegen, man würde Frieden erhalten, indem man Terroristen politisch anerkenne, ihnen Land, Geld und Gewehre gebe.

Rechtsrutsch als Erfolg

Damit ist nun Schluß. Seit langem. Dieser neue, starke Realismus ist Caroline Glick zufolge der bedeutsamste kulturelle Wandel Israels im letzten Jahrzehnt.

Zionismus ist wieder in!
Judaismus ist wieder in!
Israel ist endlich erwachsen geworden!

Dieser Wandel sei der Welt entgangen. Daher verstehe die Welt auch nicht, warum alle Versuche Israel zu Konzessionen gegenüber den Palästinensern zu bewegen zum Scheitern verurteilt sind.

Diese Kritiker Israels, die nach Auffassung Glicks lediglich anti-israelische Propaganda betreiben, bräuchten doch nur das Naheliegende sehen, wenn sie verstehen wollten. Das Naheliegende: Netanjahu bleibt im Amt, die Linken haben den Bezug zur Öffentlichkeit verloren und Mosh Ben-Aris singt zurecht seine Hymne „Meine Hilfe ist von Gott“.

Deutsch-jüdische Wurzeln

Zur Erinnerung: Die Inschrift der Koppelschlösser der deutschen Wehrmacht lautete  „Gott mit uns“.

Sind das die gemeinsamen deutsch-jüdischen Wurzeln, von denen in letzter Zeit so viel die Rede war?

— Schlesinger

Photo: Nir Nußbaum (Flickr CC Lizenz)

Photo Koppelschloß: User:StromBer – Selbst fotografiert, Gemeinfrei, Wikimedia

* Auf engl. Cast Lead

** Yossi Beilin: früher Labour-Party, heute Meretz, Knesset-Mitglied in 5 Legislaturperioden,  u.a. früherer Finanzminister,  stellvertretender Außenminister, stark involviert im Oslo-Prozess und Mitbegründer der „Genfer Initiative“

Avraham Burg: Labour-Party, Knesset-Mitglied über 4 Legislaturperioden, langjähriger Sprecher der Knesset, ehem. Vorsitzender der Jewish Agency; Autor mehrerer Bücher, u.a. The Holocaust Is Over: We Must Rise From its Ashes

Shulamit Aloni: Labour-Party, Meretz, Knesset-Mitglied über 7 Legislaturperioden, u.a. ehem. Erziehungsministerin, aktiv im Friedenscamp

*** Das „Angebot“ Israels an die Palästinenser in Camp David mochte bezogen auf die in Aussicht gestellten territorialen Zugeständnisse großzügig ausgesehen haben, doch unterm Strich ging es Jerusalem darum, einen maximalen Einfluss auf die palästinensischen Gebiete zu behalten.

Prof. Jeff Halper hat diese israelische Strategie zurecht verglichen mit dem chinesischen GO-Spiel: Dort gehe es auch nicht darum, den Gegner zu „schlagen“, sondern ihn durch geschickte eigene Züge zur Bewegungsunfähigkeit zu bringen („matrix of control“). Arafat wurde durch Bill Clinton zur Teilnahme an Camp David genötigt, obwohl dem Palästinenserpräsidenten klar war, dass Israel mit nicht akzeptablen Vorbedingungen anreiste. Entgegen den mündlichen Zusicherungen Clintons, man werde ein Scheitern der Verhandlungen nicht den Palästinensern ankreiden, wurden sich Clinton und Barak schnell einig, wer schuld an der Misere war.