Kriegszustand in Tibet, Merkel fordert – nichts

Oder: Von der olympischen Disziplin „Tibetpressen“

olympics.jpgNur nicht auf die Idee kommen, die Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren, mahnte kürzlich das Internationale Olympische Kommittee ( IOC )!

Begründung: Die Sportler könnten nichts dafür, wie China mit Tibet umspränge.

Ein klassischer Fall von Güterabwägung:

Brutale Besatzung eines Landes mit Ausbeutung und Zerstörung der kulturellen Identität einserseits und andererseits das Milliardengeschäft des IOC.

Alleine die Werbeeinnahmen für die Olypischen Spiele 2004 in Athen brachten 1,492 Milliarden US Dollar ein. Hauptsponsoren waren Giganten wie Coca Cola, Mac Donalds (!), Samsung, VISA, Kodak, XEROX u.a.m. Sie werden ein gewichtiges Wort mitreden, sollte es jemand ernst meinen mit einem Boykott.

Natürlich geht es dem IOC nicht nur um Geld (lacht hier jemand?). Es geht ihm und den Sportlern (nichts gegen die Sportler) auch um den Wunsch, der Welt einmal mehr zu demonstrieren, dass man die Zeit für 100 Meter dank Winstrol Depot noch einmal um 13 Hundertstel nach unten drücken kann. Welchen Wert haben im Vergleich dazu demonstrierende Mönche? Was gilt dagegen die Unterdrückung Tibets?

Wir könnten in Peking Zeitzeuge werden, wie die Meßlatte für den Hochsprung um 3 Zentimeter nach oben gelegt und überwunden wird. Die Meßlatte für Menschenrechte im okkupierten Gebiet dagegen liegt recht niedrig, und wird dazu meist gerissen.

Die Besatzung Tibets wähnt scheinbar ewig, und was ewig währt, ist entweder gut oder nicht richtig real.

Bei Olympia, da werden reale Rekorde für die echte Ewigkeit aufgestellt:

  • Der deutsche Sprinter Armin Harry 1960 mit 100 Meter in glatt 10 Sekunden!
  • Carl Lewis mit neun Goldmedaillen, davon alleine vier in Los Angeles 1984!
  • Schwimmer Mark Spitz, sieben Medaillen alleine in München 1972!
  • Superschwergewichtler Wassili Alexejew im Gewichtheben mit insgesamt 80 Weltrekorden! Etc.pp.

Das sind Namen und Zahlen, die bleiben. Nennen Sie mir außer dem des Dalai Lama einen tibetischen Namen.

Sollte man die Spiele überhaupt boykottieren?Falls man in Tibet weiterkommen möchte, ja. Unbedingt. Warum?

China ist derzeit mit nichts politisch unter Druck zu setzen.

  • China verfügt über spektakulär große Devisenreserven
  • kann die wirtschaftliche Expansion kaum zügeln
  • ist militärisch nicht zu beeindrucken
  • ist sowohl unverzichtbarer Exporteur wie auch
  • Importeur

Die einzige Mangelware im politischen China ist Legitimation.

Just diese Legitimation – oder wenigsten dessen kleinen Bruder namens Ansehen – möchte Peking durch die Olympischen Spiele gewinnen.

Aus chinesischer Sicht (in dieser Hinsicht nicht zu verwechseln mit der westlichen Haltung) sind die Spiele eine Frage der Ehre.

Finden sie statt, gibt man Peking die Ehre.

Wie stellt sich die Bundesregierung zu den jüngsten Ausschreitugen in Tibet?

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt über ihren Regierungssprecher Ulrich Wilhem zur faktisch unter Kriegsrecht stehenden Hauptstadt Lhasa mitteilen, nur ein Dialog zwischen Peking und dem Dalai Lama könne eine dauerhafte Lösung der Tibet-Frage bringen. al08de
Das heißt nichts anderes als: Findet der Dialog nicht statt – weil Peking kein Interesse daran hat – wird es auch keine Lösung geben.
Das wiederum bedeutet: Dann können wir auch nichts machen. Dabei hört sich der Satz Merkels so gut an. Fürs rhetorische Luftnummern-Stemmen verdient Frau Merkel schon heute die Goldmedaille.

Siehe auch: Zur Tonlage in Lhasa

— Mark