Sarah Palin has done a sensational job

UPDATE:

51% der Befragten der CNN Umfrage meinten, Biden habe die Debatte gewonnen, gegenüber 36% für Palin.

Zur Frage, wer als Vizepräsident qualifiziert sei, billigten das 87% Biden zu, gegenüber nur 42% für Palin.

87 percent of those polled said Biden is qualified and 42 percent said Palin is qualified.

The CNN/Opinion Research Corp. said 51 percent of those polled thought Biden did the best job, while 36 percent thought Palin did the best job.

So urteilte der konservative Kommentator Pat Buchanan über den Auftritt von Sarah Palin in der ersten TV Debatte zwischen ihr und Obamas Vize Joe Biden.

Sensationell war der Auftritt insofern, als Sarah Palin eine erstaunlich fehlerfreie Darstellung lieferte. Sogar die Konservativen, wie Buchanan offen anmerkte, sahen dem Duell einigermaßen nervös entgegen und reagierten mit einem „erleichterten Seufzer“. Mehr wollte man gar nicht erwarten.

Offenbar war das Wall Street Journal so überrascht, dass es sich zu regelrechter Euphorie hinreissen ließ. Palin sei ein „Killer“ gewesen, habe Biden sogleich in die Tasche gesteckt:

„She killed. She had him at „Nice to meet you. Hey, can I call you Joe?“

Selbstverständlich hatte sich Frau Palin nicht von heute auf morgen in eine Expertin in Sachen Wirtschafts- oder Außenpolitik verwandelt. Sie ließ sich , aber sie brachte es zustande, ihre Unbedarftheit auf sympathische Weise zu verkaufen.

Das war absehbar, und es ist erstaunlich, dass sich Joe Biden darauf einließ, anstelle sie auf ihre bisherigen abstrusen Äußerungen abzuklopfen.

Joe Biden selbst wirkte nicht minder souverän, hatte aber den taktischen Nachteil – wie Buchanan im Gespräch mit MSNBC Ancorman Keith Olbermann zurecht feststellte – dass er mit 36 Jahren Zugehörigkeit zum Washingtoner Establishment auch die Sprache Washingtons spreche. Demgegenüber musste das frei-heraus Palins auf einer psychologischen Ebene frischer wirken und besser ankommen. Dazu begann er den taktischen Fehler, viel über die mißratene Politik von George W. Bush zu reden, was Palin gut abkontern konnte mit „Da, jetzt schauen Sie schon wieder nach hinten!“. Keinerlei Substanz, klar, aber große Wirkung.

Sarah Palin tat alles, um das vermeintlich Joviale, Bürgerliche, Hemdsärmelige an ihr zu unterstreichen und flocht dazu des öfteren Redewendungen wie „darauf kannst Du wetten“ oder „verdammt nochmal“ ein.

Sie wirkte sicher, gelassen und lächelte im Gegensatz zu Joe Biden viel in die Kamera – auch das bringt zusätzliche Sympathiepunkte ein.

Diese Taktik legte sie sogar gleich zu Beginn mit entwaffnender Offenheit zutage: Sie wisse, dass sie nicht so antworte, wie man es erwarte, aber dafür würde sie „direkt zum amerikanischen Volk sprechen„. Das kommt natürlich gut bei denen an, die mehr die atmosphärischen Aspekte eine solchen Debatte auf sich wirken lassen als Sachargumente.

Daher dürften es ihr – wenigstens im Lager der Republikaner und der Unentschlossenen – wenige übel genommen haben, viele Fragen oder Stellungnahmen Bidens schlicht aus dem Weg gegangen zu sein und stattdessen ihre eigenen Darstellungen dargelegt zu haben.

In dieser Runde gab es einen emotionalen Punkt, in dem Joe Biden davon sprach, dass er sehr genau wisse, was es bedeute, wenn man sich als Alleinerziehender durchs Leben schlagen müsse. Der Hintergrund: Biden hatte in einem schweren Autounfall 1972 seine Frau und einen Sohn verloren. Als er – nur sehr kurz – auf diese Episode einging, hatte er mit seiner Stimme und Haltung zu kämpfen. Sarah Palin reagierte in keinster Weise darauf, weder verbal, noch im Gesichtsausdruck oder in der Körpersprache, wie die bekannte Kommentatorin Rachel Maddow mit einiger Irritation vermerkte.

(Besprechung der Debatte zw. Maddow - Olbermann - Buchanan)

More attractive

Das Ergebnis des Abends läßt sich knapp in den Worten Buchanans zusammenzufassen: „she was more attractive“.

Die Debatte dürfte das Ticket McCain – Palin nach den letzten Mißlichkeiten etwas aus dem Tief herausgeholt haben. Das ist insofern makaber, als sich Frau Palins Vermeidung einer schieren Katastrophe als Pluspunkt auswirkt.

Einen signifikanten Umschwung wird das überwiegend höflich geführte Duell allerdings nicht herbeigeführt haben.

— Schlesinger

(Photos: screenshots MSNBC)