Barack Obama, eine arabische Hoffnung

Werden „sie“ ihn gewinnen lassen?

Die Frage lautete nie „wird er gewinnen?“. Sie lautet stattdessen immer „Werden sie ihn gewinnen lassen?“. Wer immer mit sie gemeint sein mochte.

Das jedenfalls war die Standardfrage, die dem Kolumnisten Thomas Friedman von der New York Times immer wieder gestellt wurde, als er sich just zu der Zeit, zu der Barack Obama der Nominierte der Demokraten wurde, in Ägypten aufhielt.

Nein, berichtet Friedman, die Ägypter und die vielen anderen Araber, die sich ihm gegenüber geäußert haben, würden sich mit dem Stammbaum Obamas nicht recht auskennen. Aber die Tatsache, dass Barack Obama schwarzer Herkunft ist und seine Mutter in Kenia lebt, scheint eine wahre Begeisterung unter den Arabern ausgelöst zu haben.

Wenn Amerika das zustande bringen würde: Obama zum Präsidenten zu wählen, dann könnte einiges wieder möglich sein. Dann könnte wieder Hoffnung aufkommen auf das andere Amerika, das man trotz aller Differenzen nie ganz geleugnet hat.

Ein Großteil der immer noch vorhandenen klammheimlichen Bewunderung für die USA liegt in der Fähigkeit dieser Nation, sich zu Zeiten immer wieder neu zu definieren und zu erfinden.

Man stelle nur die arabischen Regimes den USA gegenüber, so wie das einer der Tischgäste Friedmans am Nil tat:

“Could something like this ever happen in Egypt?”
And the answer from everyone at the table was, of course, “no.”
It couldn’t happen anywhere in this region.
Could a Copt become president of Egypt? Not a chance.
Could a Shiite become the leader of Saudi Arabia? Not in a hundred years.
A Bahai president of Iran? In your dreams.

Here, the past always buries the future, not the other way around.

Genau darin begründet sich die nie ganz versiegende arabische Sympathie für die USA – nicht auf jeden einzelnen Araber bezogen, aber doch auf die Vielen. Die Vereinigten Staaten lassen Veränderungen zu, von denen man in arabischen Ländern oftmals nur träumen kann.

Nun, man wird sehen, ob „sie“ ihn gewinnen lassen.

Wahrscheinlich wird es so sein, dass er einach nur gewinnt. Von ganz allein. „Sie“ hin oder her.

— Schlesinger

(Photo: Steve Rhodes)