Dick Cheney: Bush trägt die schwerste Kriegslast

husky.jpgRichard „Dick“ Cheney, seines Zeichens Vizepräsident und Erfinder des Irak-Krieges, wurde von ABC News zum Stand der Dinge im Irak und insbesondere zur traurigen Zwischenbilanz von 4000 toten US Soldaten befragt (anbei vermerkt dürften es wesentlich mehr tote Amerikaner sein, aber die Verluste der zivilen Sicherheitskräfte wie Blackwater, die der Zahl nach dem US-Militär im Irak gleich kommen, erscheinen in keiner Statistik. Das ist Bestandteil der Strategie. Fußnote zur Nebenbemerkung: Die Haushaltsmittel für diese Kräfte fallen auch nicht unter die Rubrik „Militärbudget“, sondern in die haushaltstechnischen Sonderposten für den „war on terror“. Auch das ein Teil der Verschleierung, wie es um den Krieg insgesamt bestellt ist).

Nun also Cheney:

„It obviously brings home I think for a lot of people the cost that’s involved in the global war on terror in Iraq and Afghanistan,“

[ Das ruft für eine ganze Menge Leute in Erinnerung, mit welchen Lasten der Kampf gegen den Terror in Afghanistan und im Irak verbunden ist.]

„It places a special burden obviously on the families, and we recognize, I think — it’s a reminder of the extent to which we are blessed with families who’ve sacrificed as they have.“

[Den Familien wird eine ganz besondere Last auferlegt, und wir erkennen, meine ich – es erinnert uns an das Maß, mit dem wir gesegnet sind durch diese Familien, die geopfert haben, so wie sie es taten.]

Was will Cheney damit sagen? Was er keinesfalls aussprechen will, was Cheney keinesfalls aussprechen kann, ist ein irgendwie geartetes Beileid. Das würde bereits eine Art Schuld in sich tragen. Er muss also den Blickwinkel verändern, und das gelingt ihm – rhetorisch – sehr gut: Kriegsvizepräsident Cheney fühlt sich gesegnet durch die Opfer, die ihm von den Familien dargebracht wurden.

Now, Cheney at his best:

Sodann holt Cheney weit aus, um diesen Familien von Washington aus eine derart saftige Ohrfeige zu versetzen, dass das Echo von den Rockies zurück geworfen wird :

The president carries the biggest burden, obviously

[Es ist offenkundig, dass der Präsident die schwerste Bürde trägt.]

„He’s the one who has to make the decision to commit young Americans, but we are fortunate to have a group of men and women, the all-volunteer force, who voluntarily put on the uniform and go in harm’s way for the rest of us.“

[Denn er ist derjenige, der jungen Amerikanern diese Verpflichtung abverlangen muss, aber wir können uns glücklich schätzen eine Gruppe von Männern und Frauen zu haben, eine Freiwilligenarmee, die aus freien Stücken ihre Uniform anziehen und sich für uns der Gefahr stellen.]

Diese Ohrfeige allerdings kommt so unerwartet und so schnell, dass man sie gar nicht recht wahrhaben will. Also ist man geneigt, sie als Einbildung aufzufassen, denn der Gegenüber lächelt noch immer, er kann es also nicht gewesen sein.

Fazit:
1. Kein Waschweib-Getöse wegen 4000 Toten! Der Präsident ist am schlimmsten betroffen.
2. Ein gefallener Soldat einer Freiwilligenarmee ist nicht so tragisch wie ein gefallener Wehrpflichtiger.
3. Es gibt keine Veranlassung für Vorwürfe, denn jeder Berufssoldat muss sich dieses Risikos bewußt sein.

Fragen?

— Bigdaddy

PS.: Das abgebildete Schoßhündchen trägt den namen „Dick“. Zufälle gibts. Strecken Sie mal Ihre Hand hin….

(Photo: © Marflow - Fotolia.com)

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