5 Jahre Krieg im Irak (Teil I)

Präsident Bush befand sich gestern im Pentagon, um in einer kleinen Feierstunde den erfolgreichen Sturz des Saddam-Regimes zu begehen.

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Man erinnert sich noch gut daran, dass die Zustimmung zur Amtsführung Bushs in den Monaten nach 9/11 extrem hoch war und bei rund 90% lag. Das schwächte sich mit der Zeit zwar ab, aber dennoch war die Zustimmung in der Zeit vor Beginn des Krieges noch sehr hoch und die Bevölkerung überwiegend der Ansicht, der Irak verfüge zum einen über Massenvernichtungswaffen und stehe zum anderen in Verbindung mit Al Quaida.

Vor diesem Hintergrund mag es nachträglich überraschen, dass rund ein Drittel der großen und größeren Tageszeitungen in den USA gegen den Krieg waren.

Hier eine kleine Nachlese:

This war crowns a period of terrible diplomatic failure, Washington’s worst in at least a generation. The Bush administration now presides over unprecedented American might. What it risks squandering is not Americans’ power, but an essential part of our glory.”
[Dieser Krieg krönt eine Reihe diplomatischer Fehler und ist der schlimmste Washingtons in wenigstens einer generation. Die Regierung Bush hält nun eine bislang unerreichte Machtfülle in Händen, und was sie riskiert zu verlieren, ist nicht die Macht, sondern einen wesentlichen Teil unseres hohen Ansehens.]
New York Times

Die Times war zu optimistisch. Die Regierung Bush hat nicht nur das Ansehen in hohem Maße, sondern auch die Macht selbst in gehörigem Maße verspielt. Die USA dürfen sich etwa angesichts ihrer bedrohlichen Abhängigkeit von Peking, das enorme Mengen an amerikanischen Staatsanleihen kauft,zum Thema Unruhen in Tibet nicht zu sehr exponieren. Sollte Peking einen Teil der Staatsanleihen in der derzeitigen Immobilien- und bankenkrise kündigen, hätte das verheerende Auswirkungen. Die USA schützt nur das Eigeninteresse Chinas, das dadurch selbst Schaden nehmen würde. Der Grad der gegenseitigen Abhängigkeit ist allerdings nicht ausgeglichen.

“This war is wrong. It is wrong as a matter of principle, but, more importantly, it is wrong as a matter of practical policy.”
Baltimore Sun

Bush has “left the United Nations in tatters”. [in Fetzen]
Arizona Republic

“unconvinced” [nicht überzeugt]
Houston Chronicle

“The Bush administration has raised the risks through its insistence on an accelerated timetable, its exaggerated rhetoric and its insensitive diplomacy; it has alienated allies and multiplied the number of protestors in foreign capitals.”
Washington Post (die ansonsten den Krieg befürwortete)

The global coalition against terror forged after the atrocities of 9/11 is virtually shattered. The explanation as to why Iraq presents an imminent threat requiring immediate action has not been clear and compelling.”
[Die weltweite Koalition nach den schrecklichen Ereignissen des 11.September ist so gut wie zerschlagen. Bislang gab es keine klare und überzeugende Erklärung, warum der Irak eine unmittelbare Bedrohung darstellen soll.]
Buffalo News

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Bild: Vermutlich ein US Waffeninspekteur auf der Suche nach den vermissten Massenvernichtungswaffen

Im Interview mit der Süddeutschen kommentiert Gunter Pleuger, der damalige Ständige Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen:

“Es gab auch die unsinnige Behauptung, dass Hussein mit dem Terrornetzwerk al-Qaida und den Taliban zusammenarbeite. Der Irak war ein säkularer Staat. Hussein war ein säkularer Diktator. Er sah Osama bin Laden und die Taliban eher als seine Feinde an. Ich habe mich immer, wenn el-Baradei und Blix in New York waren, lange mit ihnen über viele Details unterhalten. Das hat mich in meinem Eindruck bestätigt, dass der Krieg längst beschlossene Sache war.

Gar nichts Neues, aber einmal mehr interessant aus dem Mund eines damals unmittelbar Beteiligten.

Unseren größeren Bericht zu 5 Jahre Krieg im Irak finden Sie hier.

— Bigdaddy

(Photo: US Patrouille Bagdad - U.S. Army photo by Staff Sgt. Curt Cashour, CC-Lizenz)
(Photo: medizinische Untersuchung Saddam Husseins nach seiner Festnahme, BBC-screenshot)
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