Fabulieren über Obama

Die Ansicht, Barack Obama sei mehr oder weniger ein unbeschriebenes Blatt, ist recht verfestigt.

Die Auffassung, Hillary Clinton habe mehr Erfahrung, ist nicht minder weit verbreitet.

Die Botschaften Baracks – denn es sind vom Stil her eindeutig Botschaften, nicht Programme – sind bekannt, die Ankündigungen Clintons – denn es sind keine Botschaften – ebenso.

Die Eigenheiten liegen auf dem Tisch, als da wären politisches Talent, Redegewandheit, Charisma, Intelligenz, Antikriegshaltung (pro Obama) oder Zielstrebigkeit, Ausdauer, Kraft, Durchsetzungsvermögen (pro Hillary).

Die Eckdaten der Programme beider Kandidaten sind auf deren Webseiten nachzulesen.

Damit beginnen die Medien ein Problem zu bekommen. Es ist annähernd alles gesagt. Nur die jüngsten Wahlergebnisse und Prozentzahlen und Hochrechnungen darzulegen, ist ein bisschen wenig.aladdin.jpg

Also verlegt man sich zunehmend aufs Fabulieren.

Was wäre wenn. Könnte es nicht so sein, dass. Man stelle sich vor. So in der Art.

Paul Krugman, einer der besten Köpfe der New York Times, stellt zu Barack Obamas Charisma fest:

„The trouble is that faith in Mr. Obama’s transformational ability rests on surprisingly little evidence.“

Das Problem am Glauben an die Fähigkeit Obamas, den von ihm gepriesenen Übergang in eine Nach-Bush-Ära zu schaffen, besteht darin, dass man das nicht recht beweisen kann? Ach.

Das ist das Übel an historischen Einschnitten wie eine Zeit nach Bush (kommt sie wirklich?). Könnte man ein bisschen in die Zukunft kiebitzen, dann wäre man schon klüger.

Wie viel Beweise konnte John F. Kennedy vorlegen, als alle Welt davon sprach, dass er das Zeug dazu habe, die Nation zu einen?

Ein Satz wie „Denkt nicht daran, was Euer Land für Euch tun kann, denkt daran, was Ihr für Eurer Land tun könnt“ aus dem Mund eines JFK ist für die Ewigkeit geäußert. Man stelle sich – verzeihen Sie mir – diesen Satz aus dem Mund von Angela Merkel vor. Da würde sich der Horst vor der Glotze zu seiner Helga umdrehen und sagen „Frag mich jetzt bloß nicht, ob ich später noch den Müll raustrage, frag mich lieber, ob ich noch’n Bier will.“
Auch bei Kohl hätte dieser Satz Kennedys kaum funktioniert. Bei Helmut Schmidt – vielleicht. Bei Willy Brandt – gut möglich.
Wäre einer auf die Idee gekommen, Martin Luther King jr. darauf hinzuweisen, dass die Hoffnung, die er seinen Landsleuten mit dem Satz „I have a dream“ einpflanze, auf wenig Beweisen beruhe?

Die Sache ist doch recht einfach. Hat einer Charisma und die Begabung, andere aufzurütteln, mitzureissen, dann ist das eine Begabung an und für sich. Sie steht alleine und bedarf keiner weiteren Ergänzung.

Der Rest ist Kleinreden. Oder fabulieren aus der Langeweile heraus.

— Schlesinger

(Grafikbearbeitung: algore2008.de)