Clinton pokert in Las Vegas

LAS VEGAS, Nevada — Donnerstag abend gab es eine weitere Debattenrunde in Vegas. Die Eröffnung durch den Moderator erinnerte an die etwas in die Jahre gekommene Standard-Frage eines Personalchefs beim Vorstellungsgespräch: Und jetzt erzählen Sie uns doch mal etwas über ihre Schwächen. Ein Trottel, wer nicht darauf vorbereitet ist. Keiner der Befragten gab den Trottel, und die hübsche Scheinheiligkeit der Vortragenden hatte sogar einen gewissen Unterhaltungswert.

Der Anwalt der Unterdrückten und zu kurz gekommenen, John Edwards, gab zum Besten, er fühle das Elend der Schwachen einfach zu tief und von daher rühre seine bisweilen aufbrausende Art.

Hillary die Gute meinte, sie zeige sich manchmal unzufrieden, wenn es bei der Umsetzung von Gutem zu langsam voran gehe.

Der Reigen der Höflichkeiten war dann bald beendet und man durfte sich wieder aufs Hauen und Stechen verlegen. Diesmal zeigte Hillary große Meisterschaft im Führen des Floretts. Des öfteren wurde ihr die Haltung zum Irakkrieg vorgeworfen. Immerhin hatte sie seinerzeit sowohl dafür gestimmt, wie bislang auch alle Budgets für den Krieg mitgetragen. Dagegen hatte Obama seinerzeit dagegen gestimmt, aber die Budgets ebenfalls unterstützt. Leichter Vorteil für Obama also. Hillary wählte eine geschickte Taktik, indem sie sich initiativ zeigte, Präsident Bush jetzt per Gesetz dazu verpflichten zu wollen, die weiteren Schritte für einen Abzug darzulegen.

Sodann wiederholte sie ihr Spiel mit dem Feuer. In Anspielung auf die Anschläge in London unmittelbar nach der Amtsübernahme von Premierminister Gordon Brown stellte sie die Frage in den Raum, welcher Präsident wohl am besten in der Lage sei, einer solchen Krisensituation Herr zu werden. Damit stellt sich Clinton in eine Reihe mit Bush und seinen potentiellen Nachfolgern. Aus den Reihen der Demokraten hatte bislang noch niemand die Rolle desjenigen übernommen, der die Angst vor dem Terror neu schüren wollte. Dazu ist die Angst zu groß, dass dieser Schuss nach hinten los gehen könnte. Hillary jedenfalls pokert in Las Vegas. Man wird sehen, ob sie dabei gewinnt. Ein unschöner Spielzug ist es allemal.

— Mark