Eine Plappertasche als Vizepräsident: Joe Biden

„Geschwätzigkeit führt zu verschwommenen, unklaren Dingen.“

Dieses Zitat stammt von Dan Quayle, Vizepräsident unter George H.W. Bush, und könnte auf den amtierenden Vize Joe Biden gemünzt sein.

Dan Quayle lieferte seinerzeit eine derart große Menge an abstrusen, dummen oder unfreiwillig komischen Äußerungen, dass sich bald eine regelrechte Fangemeinde entwickelte, die seine Sprüche zur Gaudi des Publikums vierteljährlich als Sprüchesammlung mit dem Titel „Quayle Quarterly“ herausgab.

Um einen kleinen Eindruck zu vermitteln, hier ein paar Kostproben:

  • I am not part of the problem. I am a Republican.
  • Republicans understand the importance of bondage between a mother and child.
  • The future will be better tomorrow.
  • One word sums up probably the responsibility of any vice president, and that one word is ‚to be prepared‘.
  • The Holocaust was an obscene period in our nation’s history. I mean in this century’s history. But we all lived in this century. I didn’t live in this century.
  • We are ready for any unforeseen event that may or may not occur.

Biden leidet unter Tourette-Syndrom

Nun also Joe Biden. Biden ist kein Quayle in dem Sinn, dass er schieren Unfug erzählt.

Er scheint vielmehr unter einer Art politischem Tourette-Syndrom zu leiden. Sie wissen schon: Diese Krankheit, die den Betreffenden wider Willen dazu veranlasst, aggressive Begriffe, grobe Flüche oder gar Obszönitäten auszust0ßen.

Vergangenes Wochenende gab Biden dem Sender ABC ein Interview, in dem er in Bezug auf einen möglichen israelischen Militärschlag gegen den Iran meinte:

the U.S. „cannot dictate to another sovereign nation what they can and cannot do.“

„Israel can determine for itself — it’s a sovereign nation — what’s in their interest and what they decide to do relative to Iran and anyone else“

Die Reaktionen über das angebliche „grüne Licht“ für einen israelischen Angriff ließen nicht lange auf sich warten und reichten von ungläubigem Staunen über Empörung bis hin zu Alarmismus.

Wer auf eine erregte Debatte in den USA gewartet hat, wurde enttäuscht. Die Diskussion blieb aber nicht deshalb weitgehend aus, weil man sich dort nicht über einen weiteren Krieg im nahen Osten sorgen würde, sondern weil man schlicht berücksichtigte, wer das Interview gegeben hat:

Biden, the „loose cannon“ (der unverantwortliche Schwätzer).

Da kamen dann zum Beispiel auf den Megablog DailyKos schon mal bis ins Gelangweilte gehende Reaktionen wie: „just Biden not having a delicate enough filter on issues.“

Andere hatten eine gutmütig-belehrende Richtung, fast wie um Biden beim besseren  Formulieren behilflich zu sein: „think that what Biden actually meant was to tell our government: If you decide to attack Iran, you’re on your own. We won’t stop you and won’t help you.“ Natürlich gab es auch Beiträge, die Bidens Kommentar wortwörtlich verstanden wissen wollen:

„This is NOT Biden saying something foolish without thinking. You’re the fool for thinking that. This is a statement from somebody who (believe it or not) is something of a veteran in Foreign Policy, concerning a very tense situation. It’s a well-calibrated statement.“

Das zuletzt angeführte Zitat gilt vor allem für die Rezeption von Bidens Äußerungen bei uns. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin ist er Vizepräsident und mit der Personalie Biden ist man außerhalb Amerikas  eher wenig vertraut.

Wäre das Interview von Obama gegeben worden, wären die Reaktionen mit Sicherheit ganz anders und zurecht heftig ausgefallen.

Statt dessen korrigierte Obama, der sich zu Verhandlungen über Atomwaffen in Moskau aufhält, jüngst die unbedachte und diplomatisch dumme Äußerung seines Vize, indem er beinahe schroff klarstellte, dass die USA definitiv kein grünes Licht in Richtung Israel gegeben hätten:

The United States is „absolutely not“ giving Israel a green light to attack Iran, U.S. President Barack Obama told CNN Tuesday.

We have said directly to the Israelis that it is important to try and resolve this in an international setting in a way that does not create major conflict in the Middle East“

Dies ist die bisherige und bis auf weiteres unverändert gültige Politik der Regierung Obama, die durch eine unbedachte Äußerung von Joe Biden nicht verändert wurde. Das weiß man auch in Jerusalem, weshalb man sich dort in Richtung Washington erst gar zu fragen traute, ob man Überflugrechte über den Irak erhalte.

Bei all dem gibt es keinen Grund so zu tun, als könnte man Joe Biden ignorieren. Aber es gibt allen Grund, dessen Äußerungen nicht auf die Goldwaage zu legen. Im Zweifelsfall wird man gut beraten sein, eine Stellungnahme Obamas abzuwarten.

„People that are really very weird [bizarr] can get into sensitive positions and have a tremendous impact [[enormen Einfluss] on history.“

Auch mit diesem Zitat, das einem mit Blick auf Biden einfallen könnte, lag Dan Quayle daneben. Es galt nicht für ihn, den Einflusslosen, und es gilt nicht für Biden, den Mann mit dem allzu losen Mundwerk.

— Schlesinger

(Photo: Joe Biden, Wikipedia CC Lizenz)