Israel bereitet die automobile Revolution vor

Israel ist bekannt für seine zahlreichen Innovationen, die von ausgeklügelten Bewässerungssystemen über Informationstechnologie bis hin zu den Errungenschaften aus dem HighTech-Zentrum Rehovot mit seinem Weizman-Institut gehen.

Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass Israel den zukünftigen Verkehr durch die forcierte Entwicklung von Elektrofahrzeugen revolutionieren und damit einen erheblichen Beitrag leisten könnte, die Abhängigkeit des Westens vom Öl zu beenden.

Es mag kein Zufall sein, dass diese Initiative von Israel ausgeht, denn welches Land könnte stärker daran interessiert sein, seine Abhängigkeit vom Öl zu lösen?

Das Fanal wurde im Januar diesen Jahres gegeben. Agassi formuliert auf seinem Blog dem Ereignis angemessen visionär:

On January 21st 2008 we set the first step towards getting an entire country off its addiction to gasoline. [..]

We had a country, Israel, announcing its intent and actions towards a strategic shift from oil as the main source of transportation energy towards clean electricity (mostly solar) as the source of energy powering cars.

The announcement was made at the visionary leadership level – by President Shimon Peres – who has been one of the driving forces behind Project Better Place for the last year.

The Prime Minister, Ehud Olmert – who promised and delivered relentless backing [vorbehaltlose Unterstützung] across all government branches […]

Die treibende Kraft in dieser Sache ist der Israeli und vormalige SAP Topmanager Shai Agassi, der sich vor nicht allzu langer Zeit anschickte, das Erbe von Henning Kagermann anzutreten. Als der Vertrag des SAP-Chefs verlängert wurde, gab sich Agassi nicht länger mit der Rolle des Vize zufrieden und suchte sich ein neues Betätigungsfeld.

Agassi ist nicht dafür bekannt, kleine Brötchen zu backen. Er hat seine Vision, benzingetriebene Fahrzeuge durch batteriegetriebene Autos zu ersetzen, bereits vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos und anderen hochrangigen Gremien vorgetragen.

Politische Unterstützung erhielt er von niemand geringerem als von Präsident Shimon Peres, die Technologie soll von Renault kommen, wofür Renault-Chef Carlos Ghosn gerade steht:

Peres is pushing the initiative with Israeli technology entrepreneur, SAP’s Shai Agassi, who came up with the idea. Over the weekend in Davos, Peres met with the president and CEO of a large European car company and the vice chair of a Far Eastern carmaker in order to promote the idea of using Israel as a testing ground for the novel cars.

Renault sieht vor, bis 2011 für den Massenmarkt reife Fahrzeuge verfügbar zu haben [wo sind die deutschen Hersteller?].

Das Vertriebskonzept erläutert Agassi so:

Das läuft wie beim Mobilfunkvertrag – meine Kunden bekommen kostenlos ein Elektroauto, bezahlen eine monatliche Stromgebühr, die auf vier Jahre festgelegt ist. Ich bin als Anbieter für die Infrastruktur zuständig, verdiene am Strom und kaufe mit der Marge die CO2-schonenden Elektroautos ein, die ich dann subventioniert unters Volk bringe.

Höhere Effizienz als Benzinfahrzeuge

Ein Batteriefahrzeug soll den Nutzer nicht mehr als 600 Dollar im Monat kosten – inklusive Energiekosten. Das ist möglich aufgrund der größeren Effizienz solcher Fahrzeuge, erklärt Andreas Manthey vom Bundesverband für Solare Mobilität:

Die Vorteile von Elektroautos liegen laut Andreas Manthey auf der Hand: Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge nutzen bislang nur rund 10-20 Prozent der tatsächlich im Kraftstoff enthaltenen Energie.

Ein Elektroauto braucht dagegen nur ein Fünftel der Energie eines Autos mit Verbrennungsmotor, also umgerechnet 1-1,5 Liter pro 100 km.

Bislang schafften Batteriefahrzeuge keine Verbreitung im Markt, weil es an der relativ kurzen Lebensdauer der Batterien mangelte und – machen wir uns nichts vor – ein solches Fahrzeug niemals ein „Sportwagen“ sein wird.

Ersteres soll sich ändern und ein weiteres Manko – das bislang fehlende flächendeckende Netz von Ladestationen – soll zumindest in Israel bald auch kein Problem mehr sein. Außerdem ist Israel ein kleines Land. Aber: Es könnte uns mit diesem Projekt einen sehr großen Dienst erweisen.

— Schlesinger