BND in Bagdad: Ein lumpiger Agentenstrumpf

Wenn ein auf jung und frisch getrimmtes Nachrichtenportal wie Zoomer seine glattgezogenen und wie aus der Retorte kommenden News präsentiert, hört sich das

„an wie ein Geheimdienst-Thriller: Während im Irak im Frühjahr 2003 der Krieg tobt und Diktator Saddam Hussein seiner Niederlage entgegen geht, verschanzen sich in Bagdad zwei Agenten des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND). Sie sind das Sondereinsatz-Team (SET), arbeiten von der französischen Botschaft aus und sollen […]“.

Ist es aber nicht, in beiden Fällen nicht. Die Story ist nicht nur kein Geheimnis, sondern steinmeieralt, und die Nachricht selbst ist die zum Elefanten gemachte Mücke. Aber das junge, frische Newshäppchen-Publikum steht (vielleicht) auf so was.

Die zwei Agenten sind in gewisser Art zwar eher hängen geblieben als dass sie dort vom großen Deutschen Geheimdienst platziert worden wären, aber das würde zu wenig kribbeln.

Die Süddeutsche hat nach Akteneinsicht hierüber einen aufschlußreichen Beitrag verfasst (den ich in der Onlineausgabe leider nicht mehr finden kann), der eher eine Agentenkomödie schildert als einen Agententhriller.

Die BND’ler sollten gefälligst ‚raus, um weitere Informationen zu sammeln, wurden sie angewiesen.
Wie denn
, wurde zurück gemurrt, sollen wir vielleicht mit unserem Dienstmercedes bei Saddam vorfahren und uns lynchen lassen?

Die Franzosen wiederum waren wenig froh über die Deutschen, da die ihnen ihren Wein weggesoffen haben.

Wenn die beiden deutschen 007er in einem versiert waren, dann in den Abrechnungen ihrer Spesen und Überstunden, die sie gewissenhaft notiert und zum Überstundenausgleich angemahnt haben.

Toller Agentenstoff. Und die Medien – diesmal wirklich jeglicher Couleur – und Ströbele und und und haben sich mit Lust auf dieses Thema gestürzt. An was liegt es? Weil Deutschland damit doch irgendwie wichtig wurde im Krieg?

Man kann Fehler machen und man kann sogar Ungeheuerliches unternehmen. Aber man darf bitte nicht auf breiter Front unwichtig bleiben. Sonst können die einen nicht angeben und die andern nicht wettern.

Erinnert an die müde Curveball-Affäre.

Und Zoomer? Nicht der Rede wert. Ich hätte folgenden Vorschlag für ihr Logo:

— Bigdaddy

(Grafik: Zoomer, Montage TAB)