White trash beschert Hillary mässigen Wahlsieg in Pennsylvania

hillary_clinton_not_responsible1.jpgWie allseits erwartet wurde, konnte Hillary Clinton die Vorwahl in Pennsylvania für sich entscheiden.

Nach vorläufigen Zahlen liegt Senatorin Clinton mit 10 Prozentpunkten vor Barack Obama.

Incomplete returns from Pennsylvania showed Mrs. Clinton leading 55 percent to 45 percent

Ihre Mittel zum gestrigen Wahlsieg:

  1. Hemmungsloses Ausschlachten der „Bitterkeit“-Bemerkungen Obamas, Herabsetzung Obamas als „abgehoben“ und Snob
  2. Schaltung eines Wahlspot in letzter Minute mit Aufnahmen von Osama bin Laden und Bildern aus dem Krieg

Mit diesen brachialen Mitteln erzielte sie vor allem Erfolge bei Ärmeren, Älteren, Weissen mit niedrigen Bildungsabschlüssen und Gewerkschaftszugehörigkeit und Frauen (und insbesondere Kombinationen aus diesen Faktoren.)

with her victory propelled by her strong performance among women, older voters and less affluent and less educated voters;

among white union members [Gewerkschaftsangehörigen] with no college education [Schulbildung unterhalb Gymnasium], she won almost three-quarters of the vote, polling showed.

Mit einiger Berechtigung kann man sagen, der „white trash“ habe Clinton zum Sieg befördert.

( Um auf einen Kommentar zu diesem Blog einzugehen: Damit soll nun keinesfalls gesagt sein, dass „normale“ Gewerkschaftsangehörige oder Ältere oder Frauen zum white trash gehören – das ist natürlich Unsinn – aber alle Beobachter und Wahlerhebungen zeigen, dass die Affinität zu Clinton desto größer ist, je weniger gebildet bzw. je einkommensschwächer die Wähler sind. Nur so wird ein Schuh daraus: Ungebildete und / oder Einkommensschwache können auch der Gruppe der Älteren, der Ungebildeten oder Gewerkschaftsangehörigen angehören. Zu diesem Publikum passt die Hinnahme der besonders tendenziösen Aussagen Clintons. Gerade die tendenziösen Äußerungen Clintons wie Obama als Snob, Schüren von Kriegsangst etc. kamen vor Pennsylvania besonders stark zum Einsatz. Die Kombination von Publikum und ihrer Methoden sind Hillary Clinton insofern sicherlich weit entgegen gekommen.)

Fast in einer Art Freud’scher Versprecher meinte Hillary gestern abend „A win is a win“.

Obwohl Clinton von den zwanzig Prozent Vorsprung weit entfernt blieb, die sie benötigt hätte, um hinsichtlich der Anzahl der Delegierten aufschliessen zu können, hat sie damit einen psychologisch wichtigen Sieg eingefahren, der ihr vor allem neuen Spendengelder liefern könnte.

Barack Obama wird nun auf seinen gewaltigen finanziellen Vorteil setzen.

Senatorin Clinton gibt nach diesem Teil-Sieg selbstverständlich nicht auf.

Die New York Times, die vor nicht allzu langer Zeit Hillary Clinton als Kandidatin offiziell befürwortete, nimmt inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund:

The Pennsylvania campaign [von Clinton], which produced yet another inconclusive result on Tuesday [das nun noch immer keine Entscheidung gebracht hat], was even meaner [niederträchtiger],
more vacuous [geistloser],
more desperate [verzweifelter],
and more filled with pandering [an niedrige Instinkte appelierend]
than the mean, vacuous, desperate, pander-filled contests that preceded it [als ihre bisherige Vorgehensweise].

Voters are getting tired of it; it is demeaning the political process; and it does not work.

Höchste Zeit für Hillary, so die NYT, ihre negative Methoden zu beenden und einzusehen, dass sie damit nur ihrer Partei schadet:

It is past time for Senator Hillary Rodham Clinton to acknowledge that the negativity, for which she is mostly responsible, does nothing but harm to her, her opponent, her party and the 2008 election.

Prognose: In ihrer jüngsten Angst- und Verleumndungsstrategie bestärkt, wird sie wird den Rest des Vorwahlkampfes als eine demokratische Variante von Dick Cheney und Karl Rove fortführen. Darin liegt seit geraumer Zeit ihr fundamentaler Fehler. Das könnte nur noch ihre eigene Partei unterbinden.
Damit dürften die Demokraten nach dem gestrigen Tag wiederum zögern. Sie würden sich dem Vorwurf aussetzen, einen Gewinner beim Gewinnen zu stoppen. Eine höchst missliche Lage.

Sehr zum Schaden der Demokraten. Sehr zum Vorteil von John McCain.

— Schlesinger

(Photo: © Stephen Finn - Fotolia.com, Bild bearbeitet)